Spurs feiern 6. Sieg in Folge

 

Dachau Spurs

Igor Jurakic lächelte gequält. Seine Dachau Spurs hatten gerade den sechsten Sieg in Folge eingefahren und bei München Basket mit 77:59 (43:34) ein kleines Meisterstück abgeliefert. Doch dem Trainer der 1865-Basketballer war nicht so recht nach Feiern zumute. Die Nacht zuvor hatte er wenig geschlafen, der Tag „war nicht viel besser“ gewesen – Jurakic hat sich eine Magen-Darm-Erkrankung eingefangen. Es war eine bemerkenswerte Energieleistung, dass Igor Jurakic überhaupt sein Team bei diesem Auswärtsderby coachte.
Die 1865-Korbjäger nahmen sich ein Beispiel an ihrem Trainer. Sie legten über 40 Minuten in der ehrwürdigen städtischen Halle an der Dachauer Straße 98 einen unbändigen Kampfgeist an den Tag und standen vom Einsatz her so ihrem Coach in nichts nach. Die Spieler des Tabellenfünften München Basket wussten zu Beginn des Derbys überhaupt nicht, wie ihnen geschah. Sie verloren gegen die in der Verteidigung leidenschaftlich arbeitenden Spurs immer wieder den Ball und wurden zu schlecht vorbereiteten Abschlüssen gezwungen. Und nach Ballgewinnen oder Defensivrebounds schalteten die Dachauer überfallartig um und bliesen zur Attacke: Ein Schnellangriff nach dem anderen rollte auf die Münchner zu, die schnell klar in Rückstand gerieten. Sam Scheurich und später Ole Fischer trieben die 65er nach vorn und fanden immer wieder die freien Mitspieler, gleich, ob unter dem Korb oder hinter der Dreipunktelinie. Und diese fackelten nicht lange und schlossen ab.
Zehn Minuten lang brannten die Spurs so ein beispielloses Offensivfeuerwerk ab, das eben vor allem der überragenden eigenen Defensivleistung geschuldet war. Als die Mannschaften in die erste Viertelpause gingen, bekamen die 1865er von ihren rund 20 mitgereisten Fans angesichts einer 30:11-Führung stehende Ovationen.
Es war eigentlich klar, dass das so nicht weitergehen konnte. Und tatsächlich wehrte sich München Basket nun mit allen Mitteln gegen das drohende Debakel. Mit wirklich allen Mitteln. Denn das Spiel wurde nun deutlich ruppiger. Die Spurs mussten sich nun jeden Korb hart erarbeiten und büßten so bis zur Halbzeitpause einen Teil ihres Vorsprungs wieder ein.
„Im zweiten Viertel haben wir auch selbst nicht gut verteidigt“, kritisierte Co-Trainer Milan Keser, der seinen angeschlagenen Headcoach nach Kräften unterstützte und lautstark Anweisungen gab oder bei Auszeiten auch einmal die Ansprache hielt.   
Es sollte in der zweiten Hälfte einige Minuten dauern, bis der Motor der Dachau Spurs wieder rund lief. Dafür sorgte nicht zuletzt Matheus Holderer de Vasconcelos. Der Forward ließ in der Verteidigung zumeist die beste Offensivkraft der Münchner mit überragendem Stellungsspiel alt aussehen und griff dazu wie immer unzählige Defensivrebounds ab. Und im „Eins-gegen-eins“ war der Brasilianer vorne von keinem Münchner in den Griff zu bekommen, setzte er sich immer wieder geschickt durch. Stark spielte auch Ole Fischer, der gegen seinen Ex-Club mit 23 Punkten erstmals Topscorer der Spurs war. Im letzten Viertel setzten sich die Spurs schließlich wieder klar ab. Da lächelte auch Igor Jurakic wieder, wenn auch gequält: „Ich muss jetzt ins Bett!“
Sein Team feierte derweil nicht nur den sechsten Sieg in Serie, sondern auch Wiedergutmachung für die ärgerliche Hinspielniederlage.

München Basket – Dachau Spurs 59:77 (11:30/34:43/49:60)
Spurs: Ole Fischer 23 (2), Steffen Haberland 14 (3), Matheus Holderer de Vasconcelos 13, Johannes Schwarz 10, Tilman Bondzio 7 (1), Sebastian Wolf 4, Tassilo Matthes 3 (1), Sam Scheurich 3, Manu Prediger, Flo Widmann, Julius Glück, Paul Bruch

(Torge Wester)