Knapp an der Überraschung vorbei

 

Dachau Spurs

Sie waren so nah dran, die Überraschung zu schaffen. Am Ende fehlte den Dachau Spurs ein bisschen Glück und letztlich nur ein Pünktchen, um den Favoriten aus Nördlingen zu stürzen. Mit 82:83 (48:35) verloren die 1865er hauchdünn – nach einem dramatischen Basketballspiel, bei dem auch ein Zählfehler eine wichtige Rolle spielte.

Igor Jurakic war einigermaßen erschüttert. Gerade hatte er von den Unparteiischen erfahren, dass sie auf dem Anschreibebogen noch einen Zählfehler im dritten Viertel gefunden hatten und deshalb das Ergebnis um einen Punkt zu Gunsten von Dachau korrigieren mussten. „Das gibt’s doch nicht, das hätte ja alles verändert, alles!“, so die Reaktion des fassungslosen Spurs-Coaches, der – wie die Fans – an diesem Abend in der Jahnhalle ohnehin schon ein extremes Wechselbad der Gefühle durchlebt hatte.

Das Topspiel in der 2. Basketball-Regionalliga hielt, was es versprach. Und es mündete in ein wahres Herzschlagfinale. Die letzten Szenen der Begegnung hielt es die Zuschauer in der Jahnhalle – darunter TSV-Chef Wolfgang Moll mit Gattin – nicht mehr auf den Sitzen. In den Schlussminuten waren die bis dahin fast stets in Rückstand liegenden Gäste aus Nördlingen erstmals wieder in Führung gegangen, die sich die Dachauer mit einem „Dreier“ von Steffen Haberland wieder zurückholten (79:76). Doch Nördlingen konterte erneut und lag Sekunden vor dem Ende scheinbar uneinholbar wieder mit 83:79 vorne, als Tilman Bondzio mit einem hart bedrängten Dreipunktetreffer sein Team noch einmal auf einen Zähler heranbringt. 6,9 Sekunden sind noch zu spielen. Zu diesem Zeitpunkt weiß niemand, dass es aufgrund des später festgestellten Zählfehlers eigentlich 82:82 und nicht 81:82 steht.

Statt in den verbleibenden Momenten das Remis zu verteidigen und die Verlängerung zu erzwingen, müssen die Dachauer nun ein taktisches Foul begehen und US-Amerikaner Detavious Shaquan Cantrell an die Freiwurflinie schicken. Der Topscorer der Gäste verwandelt tatsächlich nur einen der Freiwürfe. Und so geht der erneut starke Matheus Holderer de Vasconcelos noch einmal auf und davon und kommt mit der Schlusssirene zum Korbleger, stark bedrängt vom spanischen Hünen Garny Garcia Nivar. Der Ball „schaut“ schon in den Korb, rollt aber zum Entsetzen der Spurs-Fans wieder heraus. Das Spiel ist aus. Was niemand ahnt: Hätte der Brasilianer getroffen, hätte es nicht Verlängerung gegeben, sondern die Spurs hätten mit einem Punkt gewonnen.

So war die Niederlage aus Sicht der 1865er natürlich doppelt bitter, die Enttäuschung stand der Mannschaft und ihrem Coach ins Gesicht geschrieben.

Die Jurakic-Schützlinge hatten zuvor dem Tabellenzweiten mehr als nur Paroli geboten. Nach einer überragenden, beinahe fehlerlosen ersten Halbzeit, in der die Dachauer mit klugem Passspiel und hoher Abschlussquote Nördlingens Abwehr immer wieder vor unlösbare Probleme gestellt und zweistellige Führungen herausgespielt hatte, wurde es in Durchgang zwei ein Duell auf Augenhöhe.

Am Ende reichte es nicht ganz, doch die Zuschauer hatten ein hochklassiges Match in der ehrwürdigen Dachauer Jahnhalle erlebt, von dem einer der Schiedsrichter nachher anerkennend meinte: „Das war heute eigentlich schon das Niveau der 1. Regionalliga!“

Dachau Spurs – TSV Nördlingen 82:83 (26:17/48:35/62:61)

Spurs: Johannes Schwarz 16, Matheus Holderer de Vasconcelos 14, Steffen Haberland 12 (2), Manu Prediger 10, Ole Fischer 9 (3), Tilman Bondzio 6 (2), Sam Scheurich 4, Sebastian Wolf 4, Julius Glück 2, Tassilo Matthes,m Paul Bruch, Flo Widmann.

Nördlingens Beste: Cantrell 24, Garcia Nivar 17, Krastev 13.

 

 

(Torge Wester)