Spurs drehen fast schon verlorenes Spiel

Dachau Spurs

Die Landsberger sahen schon wie der sichere Sieger aus, und "in der ganzen Halle hat wohl keiner mehr einen Pfifferling auf uns gesetzt", glaubte Coach Werner Mühling. Doch mit einer grandiosen, beherzten Aufholjagd in den letzten fünf Minuten der regulären Spielzeit erzwangen die Dachau Spurs zunächst die Verlängerung. Und holten sich dann dort mit einem "Buzzer-Beater", also einem Korb in allerletzter Sekunde, tatsächlich noch den Sieg. 77:79 stand am Ende auf der elektronischen Anzeigetafel der Halle am Hungerbachweg in Landsberg. Das war in der Rückrunde der 2. Regionalliga bereits der vierte Sieg der 1865er im fünften Spiel.

Es war ein Spiel, das einige Geschichten zu erzählen hatte. Nach 30 Minuten schien die Partie beim Stand von 57:40 für den Gastgeber vorzeitig entschieden. Und als Landsberg sechs Minuten vor dem Ende immer noch klar führte (65:51), schien alles klar. Das war die eine Geschichte.

Die zweite Geschichte erzählt von einer Mannschaft des TSV 1865 Dachau, die von einer Minute auf die andere wie ausgewechselt spielte. Coach Werner Mühling hatte zu Beginn des letzten Viertels erstmals an diesem Abend eine kleine, bewegliche Aufstellung aufs Feld beordert. Die sollte die Landsberger vor allem in der Verteidigung besser unter Druck setzen, um so das Ruder herumzureißen. Die Taktik ging auf. Das gab den Dachauern auch einen Push im Angriff. Angeführt von Steffen Haberland, Corni Glück und Matheus Holderer de Vasconcelos, holten sie Punkt um Punkt auf, und als Corni Glück sein Team mit zwei schnellen Dreiern wieder in Schlagdistanz (59:66/36. Minute) brachte, witterten die Gäste ihre Chance.

Es folgte die Geschichte der letzten 15 Sekunden des Spiels. Landsberg verteidigt mit Zähnen und Klauen den auf zwei Pünktchen zusammengeschmolzenen Vorsprung (70:68), doch irgendwie schafft es Spurs-Forward Johannes Schwarz, mit Ablauf der Spieluhr von einem Gegenspieler stark bedrängt, einen Dreier zu versenken – der vermeintliche Siegkorb. Doch die Spurs jubeln zu früh. Denn zum einen haben die Unparteiischen genau hingeschaut und die Fußspitze von Schwarz beim Wurf auf der Dreipunktelinie gesehen. Sie werten den Korb als normalen "Zweier" - Verlängerung!

Auch der US-Amerikaner Sharif Hudson ist eine eigene Geschichte, besser gesagt: seine beiden Gegenspieler. Denn Florian Widmann und besonders der unermüdliche Tassilo Matthes schaffen es tatsächlich, Hudson müde zu spielen. Der 26-Jährige schafft nach 24 Punkten in den ersten 30 Minuten in diesem vierten Viertel nur noch deren zwei, er ist kaum noch imstande, Einfluss zu nehmen.

Die letzte Geschichte dieses dramatischen Spiels schreibt schließlich der beste Dachauer an diesem Abend. Es steht 77:77 15 Sekunden vor Ende der Verlängerung, als die Spurs mit schnellem Passspiel Steffen Haberland finden, der nahezu unbedrängt aus der Halbdistanz abdrücken kann. Der Wurf verfehlt sein Ziel, doch Haberland setzt nach und befördert die Kugel im zweiten Versuch noch einmal Richtung Korb. Der Ball tänzelt vom Ring gegen das Brett und fällt schließlich durch die Reuse – die Zeit ist abgelaufen, und diesmal dürfen die 65er zurecht jubeln. Sie feiern einen Sieg in einem hochdramatischen Spiel, dessen Geschichte(n) wohl noch länger in Erinnerung bleiben werden.

HSB Landsberg – Dachau Spurs 77:79 n.V. (14:14/33:31/57:40/ 70:70)

Spurs: Steffen Haberland 22 (2), Corni Glück 13 (3), Matheus Holderer de Vasconcelos 9, Milan Keser 9, Johannes Schwarz 7 (1), Akin Arpac 7, Sebastian Hufgard 7 (1), Flo Widmann 5, Tassilo Matthes.

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