Spurs schaffen Coup gegen die Bayern

 

Dachau Spurs

Die größte Überraschung des 18. Spieltags in der 2. Regionalliga ist den Dachauern gelungen. Schon im Hinspiel hatten die Jurakic-Schützlinge die lange Garde der Bayern an den Rand der Niederlage gedrängt, und in der Jahnhalle legten sie am Samstagabend noch einmal einen drauf. Die Münchner wurden diesmal mit ihren eigenen Waffen geschlagen: mit leidenschaftlicher Verteidigung von Anfang bis Ende.  
Die 1865er zeigten sich höchst kampflustig und überraschten ihre Gäste mit einer Ganzfeldpresse, die den Spielaufbau der jungen Bayerntruppe mächtig störte. An vorderster Front: Spurs-Spielmacher Sam Scheurich, der sein Pendant beim FCB ordentlich unter Druck setzte, ja: der ihm zweimal sogar den Ball „klaute“. Das war ein sehr selbstbewusster, mutiger Auftakt des Außenseiters, der nach den ersten zehn Minuten mit 18:12 in Führung lag.
Das zweite Viertel geriet zu einer wahren Abwehrschlacht, die beiden Teams neutralisierten sich geradezu, wie das Viertelergebnis von 11:13 eindrucksvoll dokumentiert. Mit einer 29:25-Führung der Spurs ging es in die Halbzeitpause – im Basketball normalerweise eher ein Viertel- als ein Halbzeitresultat.
FCB-Coach Andreas Wagner fand in der Pausenkabine wohl die richtigen Worte, denn seine junge Mannschaft präsentierte sich hellwach nach Wiederbeginn, während die Dachauer plötzlich ein wenig zögerlich zu Werke gingen. Doch die Kampfeslust kehrte schnell zurück bei den 65ern.
Es entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe, wobei überraschen musste, dass die Bayern ihre eklatanten Größenvorteile in Korbnähe nicht ausnutzen konnten. Insbesondere Sebastian Wolf und Matheus Holderer de Vasconcelos leisteten hier Schwerstarbeit, bekamen aber viel Hilfe von den Mitspielern: So wurde der Weg zum Korb konsequent dicht gemacht. Und wenn der Pass zu einem dadurch freiwerdenden Bayern-Rückraumspieler kam, wurde mit großem Laufpensum auch dessen Distanzwurf hart bedrängt. „Unsere Verteidigung war heute der Schlüssel,“ konstatierte Spurs-Coach Igor Jurakic. „das war einfach purer Wille und Laufbereitschaft.“
Und seine Mannschaft schaffte es sogar, am Ende noch einmal richtig Gas zu geben, als es drauf ankam. Denn Mitte des Schlussviertels setzten sich die Gäste plötzlich etwas ab, die Zuschauer fühlten sich ans Hinspiel erinnert, als die Spurs bis zur 37. Minute geführt hatten. Auch diesmal wendete sich das Blatt ab der 37. Spielminute (61:66), denn mit einem 11:0-Lauf holten sich die Dachauer in diesen letzten vier Spielminuten das Match. Hinten wurde Beton angerührt und vorne trafen die Spurs aus der Distanz: Matheus Holderer de Vasconcelos sowie Julius Glück netzten jeweils einen Dreier ein, und Ole Fischer traf in der Schlussphase sogar gleich dreimal von jenseits der Dreipunktelinie – die Bayern waren geknackt.

Die heimischen Zuschauer und kleinen Trommler feierten ihr Team derweil ausgelassen, während die zuvor lautstarken Bayernfans verstummt waren. „Wir haben heuer schon einige gute Spiele gemacht, aber das war eine echte Demonstration, was in uns steckt,“ freute sich Jurakic über den Coup.

(Torge Wester)